Montag, 22. Juni 2015

Alle Jahre wieder - BRN - Party ohne Ende oder stressige Menschenmenge?

Es ist Montagmorgen, die Straßen sind verschlafen und noch leer, besonders in meinem Nachbarviertel. Da fand vergangenes Wochenende die Bunte Republik Neustadt, kurz BRN, statt. 3 Tage Straßenfest, 3 Tage Feierei, 3 Tage Esskultur und 3 Tage Ausnahmezustand. 
Die BRN ist über die Stadtteilgrenze hinaus bekannt, sogar aus ganz Deutschland kommen in der Zeit Menschen angereist. Die Anwohner sind zwiegespalten, ein Teil freut sich schon das ganze Jahr darauf, bezieht seine Stände auf den Straßen oder deckt sich mit allem Notwendigen in seiner Wohnung ein und der andere Teil flüchtet, macht in der Zeit Urlaub und beschwert sich schon Wochen voraus über das sinnlose Betrinken und die fehlenden Parkplätze.

Ich wohne mein ganzes Leben hier und die BRN wird immer besucht. 1990 fand sie das erste Mal statt, damals sah die Neustadt noch anders aus. Die Häuser waren alt und verfallen, Hausbesetzer lebten darin. Diese wollten sich die Häuser nicht wegnehmen lassen und schafften als Protest die BRN. Ein buntes Straßenfest von den Bewohnern für die Bewohner, mit eigenem Geld und viel Freude für ein schönes gemeinsames Miteinander. 
Mit den Jahren zog hier der, ich hasse dieses Wort, es ist so Mainstream geworden, der Kommerz ein. Von Jahr zu Jahr mehr Bierwagen, mehr Verkaufsstände und Fressbuden, obwohl es im Viertel genug Kneipen und Händler gibt. Immer mehr Besucher kamen und mit ihnen auch Krawalle und Prügeltreffs. Ein riesen Aufgebot an Polizei welches die BRN immer unattraktiver machte. Letzteres hat wieder abgenommen und trotzdem sind viele genervt, empfinden die BRN als unnötig und das erste Mal wird überlegt ein Jahr Pause zu machen.

Meine Erinnerungen fangen im alter von 12 an, vorher war ich auch schon da, aber so richtig verinnerlicht habe ich das fest erst von da an. Mit 14 machte ich ein Praktikum in einer Boutique auf der Alaunstraße direkt nach der BRN. Meine erst Aufgabe war es den Laden sauber zu machen und die Unmenge an Flaschenpfand im Laden zusammen zu suchen. Mit den Jahren verging auch mir die Lust an der BRN, so richtig konnte ich nicht mehr nachvollziehen was daran toll sein soll sich durch verschwitzte, nach Bier stinkende, Menschenmassen zu schieben, schmerzende Füße die nicht mehr wollen und viel zu viel Geld ausgegeben zu haben. Und trotzdem ging man doch wieder hin.
Letztes Jahr war es dann soweit, nur eine halbe Stunde auf dem Fest und ich fand alles doof. Es mag auch etwas hormonell bedingt gewesen sein (Schwangerschaft) trotzdem war alles blöd und nervig. Die Getränke und das Essen doof und ein richtiges Ziel gab es auch nicht, immer nur laufen und Acht geben nicht gegen einen Ellbogen zu laufen. 


Dieses Fest ist wie ein Magnet, letztes Wochenende fand ich mich wieder mitten drin. Mag sein, dass es an dem kurzen Weg liegt. Und ich fand all die Kritik die dieses Jahr laut geworden war hat etwas bewegt. Dieses Jahr war es anders, immer noch viele Menschen, aber man konnte, mit ein paar Ausnahmen, entspannt laufen. Die Getränke waren erschwinglich, eine kleine Sprite 1,50 €, viele kleine Stände mit Selbstgemachten Kleinigkeiten. Lecker Indisch für 5 € oder ein Burger, Pelmenis, Kaffee und Kuchen, asiatische Nudelpfannen, diverse Cocktails. Es hatte wieder dieses bestimmte etwas.

Über den Bischofsweg starteten wir auf der Alaunstraße in Richtung Louisenstraße. Vorbei an verschiedenen Bühnen, eine lauter als die Andere, bogen wir kurz entschlossen in den Kunsthof ein. Eine Verbindung von Alaunstraße und Görlitzerstraße gestaltet nach dem Künstler Hundertwasser. Auf der Görlitzer trommelte eine Sambatruppe, Zeit für die Männer sich ein Bier am Bier Craft Store Stand zu genehmigen. Weiter geht es über die Kreuzung Görlitzer Straße/ Louisenstraße, links eingebogen auf Böhmische Straße. Eine sehr enge und ungeeignete Straße für eine Bühne wie man feststellen musste. Ein Stau und immer Menschen die es nicht schnallen und nicht warten können.

Da wird geschoben, gedrückt und keine Rücksicht auf Kinder genommen. Aber Hauptsache der semi professionelle Sänger trällert seine Schlager und streut so noch Salz in die Wunde. Nach einer halben Stunde, einem Ballon mehr und mit viel Hunger sind wir am Ziel: Martin-Luther-Platz. Rund um die Martin-Luther-Kirche tummeln sich hier angenehm die Menschen. Der Hunger wird mit einer indischen Reispfanne gestillt und auf der Kulturbühne schrammelte einer seine Gitarre wund. Die guten Musiker gab es, nur nicht wenn ich da war. Wir suchten uns ein Plätzchen zum Verschnaufen auf der Wiese, hier sieht es bissl Hippie aus und der einzige freie Platz auf einer Bank ist neben einem Obdachlosen der
schon ausnüchtert, es ist 17 Uhr. 15 Uhr gestartet verging die Zeit in der Menge so schnell. Die Große winkt ein paar Freundinnen, ich treffe einen ehemaligen Arbeitskollegen. Kurzer Smalltalk und eine Whatsapp Nachricht >>Bist du BRN?<< später geht es weiter. Die Martin-Luther-Straße vor in Richtung Louisenstraße, erschreck ich vor einem Roboter der die Besucher begrüßt. Am Crepestand warteten wir 10 Minuten, die Große ist hungrig. 


Wieder eingebogen auf die Alaunstraße, hier versuchte sich noch einer auf dem berühmten Partybalkon als Rapper und behauptet er sei der >>Real Slim Shady<< geht es durch den Alaunpark nach Hause.
Es hat Spaß gemacht, ich musste nicht kochen und Menschen beobachten ist eh immer cool. Ich bin gespannt wie es mit der BRN weiter geht, ist sie doch ein Stück Kultur der Neustadt, ein Stück der alten und gewohnten Neustadt, nicht der >>ich bin Student, hip und hänge jeden Tag unten im Café rum, denn ich wohne in der Neustadt<< oder >>ich hab 6 Kinder und die können machen was sie wollen<< Neustadt.
Es ist ein Stück meiner Kindheit und sollte bewart werden.

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